Mathias Dambacher, 05.08.2023

Selfpublishing … ist nochmal was genau?

Schön, dass wir uns wieder hier treffen. Heute geht es um ein ganz allgemeines Thema, bei welchem ich – sofern noch Vorurteile bestehen sollten – mit einigen davon aufräumen möchte.

Bevor ich den unwiderruflichen, süchtig machenden Weg des Buchautors eingeschlagen hatte, habe ich mir in den Buchhandlungen immer vorgestellt, wie es sein muss, Buchautor zu sein. Es gab Wände voller aufregender, vielversprechender Bücher und überall waren die Namen der Autoren zu finden. Diese Menschen lebten davon, Geschichten zu erzählen, Menschen glücklich zu machen und ihre Vorstellungskraft anzukurbeln! Was konnte es da besseres geben?

Ich bin mir sicher, es gibt diese Autoren auch, die so das Bild dieser romantisierten Vorstellung erfüllen, große Namen gibt es in jedem Buchgenre, aber so weit meine Erfahrungen bisher reichen gibt es noch viel, viel mehr Menschen, wie du und ich, einen Vollzeitjob haben, Freunde und Familie und nebenbei ihr Buch rausbringen, weil sie einfach gerne ihre Geschichte mit der Welt teilen wollen.

Auch wenn das irgendwann mein Wunsch ist, bin ich derzeit noch weit davon entfernt, von meinen Büchern leben zu können. Aber mittlerweile bin ich stolz, sagen zu können, dass ich als Selfpublisher meinen Weg gehen.

Schriftsteller? Autor? Selfpublisher? Was ist das überhaupt alles?

Nun, ich bin Science-Fiction Buchautor als Selfpublisher. Das bedeutet:

Ein Verlagsautor ist wohl das, was die meisten Menschen sich immer noch vorstellen, wenn es um die Thematik des „Schriftstellers“ geht.

Ein Verlagsautor

1. Wird von einem etablierten Verlag ausgewählt und unter Vertrag genommen.
2. Erhält Vorschusszahlungen und Tantiemen basierend auf dem Verkauf des Buches.
3. Hat oft weniger kreative Kontrolle, da der Verlag an Entscheidungen beteiligt ist.
4. Verlag übernimmt Lektorat, Buchcover-Design, Veröffentlichung und Marketing.
5. Profitiert (theoretisch) von der Reichweite und Vertriebskanälen des Verlags.

Ein Selfpublishing-Autor

1. Veröffentlicht seine Werke selbstständig ohne Beteiligung eines Verlags (also frei bzw. selbstständig).
2. Trägt selbstständig alle Kosten für Lektorat, Design, Veröffentlichung und Marketing.
3. Behält volle kreative Kontrolle über den Schreibprozess und das Buch.
4. Erhält einen größeren Anteil an den Gewinnen, da keine Verlagsbeteiligung.
5. Verantwortlich für das eigene Marketing und den Aufbau einer Leserschaft.

In der Welt des Buchveröffentlichung gibt dabei keinen klaren Sieger oder Verlierer – weder Verlagsautoren noch Selfpublishing-Autoren sind per se besser oder schlechter. Beide Wege bieten einzigartige Vorzüge und ermöglichen es Autoren, ihre Geschichten mit der Welt zu teilen, jedoch auf unterschiedliche Weise.

Traditionelle Verlage sind etablierte Unternehmen, die darauf abzielen, große Gewinne zu erzielen. Aus diesem Grund neigen sie dazu, „sichere Wetten“ einzugehen und Bücher zu veröffentlichen, die sich schnell und leicht verkaufen lassen. Dies kann zu einer gewissen Standardisierung und Vorhersehbarkeit führen, da kommerzielle Faktoren oft die kreative Richtung beeinflussen. Nicht selten werden de Autoren dabei Vorgaben gemacht, wie die Geschichten abzulaufen haben – um das gewünschte Zielpublikum zu erreichen.

Selfpublishing-Autoren hingegen haben die Freiheit, ihre Geschichten genau so zu erzählen, wie sie es möchten. Sie sind nicht an Vorgaben oder Meinungen eines Verlags gebunden und können ihre kreativen Visionen uneingeschränkt umsetzen. Dies kann zu einer Fülle von neuen und innovativen Geschichten führen, die möglicherweise in einem traditionellen Verlagskontext nicht die Chance bekommen hätten.

Das Selbstveröffentlichen ermöglicht es den Autoren, ihre persönliche Leidenschaft und ihre einzigartige Stimme zu entfalten. Es kann zu einer erfrischenden Vielfalt von Themen, Genres und Schreibstilen führen, die die Leser auf eine Entdeckungsreise mitnehmen.

Dennoch sollte beachtet werden, dass nicht jeder Selfpublishing-Autor zwangsläufig kreativer oder innovativer ist als ein Verlagsautor. Jeder Autor hat seine eigene künstlerische Vision, unabhängig davon, ob er selbst veröffentlicht oder einen Verlagsvertrag hat.

Selfpublishing wollte ich schon immer machen! – Ja, klar…

Als aufstrebender Autor war es für mich selbstverständlich, meine Geschichte bei den großen Verlagen wie Piper, Fischer Tor oder Heyne vorzustellen und Anfragen für die Veröffentlichung meines Debüts zu stellen. Alles andere wäre in meinem Fall schlicht und einfach gelogen. Ich träumte davon, meine Bücher in den Regalen großer Buchhandlungen zu sehen und von einem etablierten Verlag unterstützt zu werden.

Jedoch wurde mir schnell bewusst, dass die großen Verlage nicht immer offen für „Neueinsteiger“ waren und klare Ziele für Gewinnmaximierung verfolgten. Trotz meiner Bemühungen blieben Antworten auf meine Anfragen aus. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich eine andere Route einschlagen musste, wenn ich meine Geschichten der Welt zugänglich machen wollte.

So entschied ich mich für den Weg des Selfpublishers, und im Nachhinein bin ich froh über diese Entscheidung. Zwar bedeutete es, mich mit vielen Themen auseinanderzusetzen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ein Teil meines Autorenlebens werden könnten. Aber gleichzeitig gab es mir die Möglichkeit, meine Vorstellungen und Ideen vollkommen nach meinem Geschmack zu verwirklichen.

Als Selfpublisher kann ich meine kreative Vision uneingeschränkt umsetzen und meine Geschichten erzählen, wie ich es für richtig halte. Ich habe die Freiheit, über die Inhalte, das Cover-Design und die Veröffentlichungszeitpunkte selbst zu entscheiden. Das bedeutet, dass all meine Ideen und Projekte Platz finden können, ohne dass ich mich an irgendwelche Vorgaben halten muss.

Der Weg des Selfpublishers mag herausfordernd sein und erfordert Engagement und Durchhaltevermögen, aber für mich steht fest, dass es der richtige Weg ist, um meine Leidenschaft für das Schreiben zu verwirklichen und meine Geschichten mit der Welt zu teilen. Ich bin stolz darauf, ein Selfpublishing-Autor zu sein, der seine eigene künstlerische Reise gestaltet und seine Werke mit Lesern auf der ganzen Welt teilt.