Mathias Dambacher, 24.03.2022

Was es mit der Inspiration auf sich hat

Die Inspiration ist meiner Erfahrung nach ein richtiges Misststück! Was ich damit meine?

Inspiration, Offenbarung, den Stein ins Rollen bringen, get into the „Zone“ – ganz egal, wie du es auch nennen willst – es ist wirklich ein wunderschön bequemer Gedanke, den sich alle kreativen Köpfe gerne herbeiwünschen. Oder eben als Ausrede vor sich herschieben, weil sie nichts voranbringen.

Ich dachte lange Zeit man braucht zum Schreiben die nötigen Werkzeuge (Laptop, Schreibmaschien, Stift und Papier – was man halt so nimmt), das nötige Wissen wie man eine Geschichte sinnvoll aufbaut und eben Inspiration. Jeder, der sich schonmal Schreiben (oder anderen künstlerischen Aktivitäten) ausprobiert hat, kennt es sicherlich. Man hat diese eine geniale Idee – eine Szene, ein Charakter oder eine unerwartete Wendung – die man schon leibhaftig vor sich sieht und sie fängt an zu schreiben. Alles läuft super und die Geschichte erzählt sich fast wie von selbst. Wenn es in dem Tempo weitergeht kann man ja locker ein Buch pro Monat schreiben. Tja und dann hat man seine Idee zu Papier gebracht – und jetzt?

Wenn man sich darauf verlässt, dass einem die Inspiration schon sagen wird, wie es weitergeht, guckt man schon sehr bald doof aus der Wäsche …

Inspiration bekommen – Woher?

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Inspiraton ist eine tolle Sache. Und es gibt Tage an denen schreibt man locker seine ein, zwei, drei Kapitel (je nachdem wie lang die bei euch sind). Aber das ist eben nicht immer so. Oft kommt die Inspiration zu den ungünstigsten Zeiten oder gar nicht, obwohl man sie gerade dringend bräuchte. Wie bekommt man es also hin, tortzdem etwas sinnvolles hinzuschreiben?

Mir hilft eigentlich immer einer der folgenden Punkte:

  • Musik hören
  • Ideen von Bildern holen (Pinterest, ArtBooks o.ä.)
  • an den (richtigen) Arbeitsplatz wechseln
  • mit meiner Frau über meine Idee sprechen
  • den Kopf frei bekommen (in meinem Fall – Gassi gehen)
  • richtige Atmosphäre schaffen (z.B. Räucherstäbchen)

Du wirst sicher für dich selbst herausfinden müssen, wie du deine Fantasie/Kreativität ankurbeln kannst, aber vielleicht ist das ein oder andere auf meine Liste eine Idee, mit der du was anfangen kannst.

Was ich damit sagen will, ist, wenn du merkst, dass sich bei deiner Playlist regelmäßig Filmszenen in deinem Kopf abspielen (-ich suche ja meine Songs tatsächlich danach aus, ob ich dabei neue Schreibideen bekomme-), dann nutze das, um dich im gewünschten Moment selbst zu inspirieren. Wenn du eine bestimmte Atmosphäre in deiner Geschichte erzählen willst und bei bestimmten Bildern fröhlich/traurig oder irgendetwas anderes wirst, leg dir ein Moodboard an.

Inspiration ist für die kreative Arbeit absolut wichtig – ja sogar unverzichtbar – aber wenn wir darauf warten, dass sie uns schon im richtigen Moment, mit der richtigen Stimmung aufsuchen wird, können wir 100 Jahre alt werden, ohne jemals unsere Idee fertig zu bekommen.

Und wenn es doch (mal) nicht funtkioniert?

Wie geht es weiter, wenn man bereits alles versucht hat und die Inspiration trotzdem ausbleibt?

Tja, dann kann es natürlich sein, dass es an diesem Tag einfach nicht sein soll, dass du mit deinem Projekt irgendwie vorankommst. Ich saß teilweise schon Stunden vor dem Bildschirm ohne, dass ich auch nur einen sinnvollen Satz geschrieben habe. War das schlimm?

Sicher nicht!

„When writing a first draft, I have to remind myself constantly that I´m only shoveling sand into a box so later I can build castles.“

Shannon Hale

Manchmal (oft – sogar sehr oft) ist es eben nicht so, dass die erste Idee bereits voll der Knaller ist. Niemand hat gesagt, das Schreiben eine leichte Sache sei. Bücher schreiben ist Arbeit. Das bedeutet manchmal, dass ihr eure eigenen Geschichten schon nicht mehr sehen könnt. Oder, dass ihr euren ersten Entwurf hart erarbeiten müsst, bevor ihr damit anfangen könnt, daran zu arbeiten – ihn zu verbessern, bis ihr irgendwann mit eurer Arbeit zufrieden seid.

Wartet also nicht endlos darauf, dass euch die Muse küsst und ihr auf den ersten Versuch den nächsten Bestseller schreibt. Schreibt einach – und wenn es nichts taugt, verbessert ihr euren Entwurf einfach.

Aber man kann immer einen ersten Entwurf verbessern, das könnt ihr nicht mit einer leeren Seite machen.